Bildfragen
Auf meine Pressemitteilung zum YouTube-Video der Bundesregierung „Die Bundeswehr online“ (das mittlerweile von der Bundesregierung entfernt wurde, aber auf verschiedenen Blogs zu finden ist) habe ich sehr viel Feedback erhalten. Gleichzeitig haben viele Menschen in Blogs, in denen die PM rezipiert wurde, diese lebhaft diskutiert. Dies begrüße ich grundsätzlich. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für und eine intensivere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen Sicherheitspolitik und mit der Bundeswehr.
Einige meiner Kritikpunkte möchte ich im Folgenden etwas ausführlicher darstellen und auch auf einige in der Diskussion genannte Punkte eingehen.
Bilder aus dem Alltag der Soldatinnen und Soldaten und gerade auch aus der Einsatzrealität sind ein wichtiges Instrument, um über die Bundeswehr zu informieren. Die Bilder werden hier nicht unbearbeitet wiedergegeben, sondern in einer bestimmten Weise zusammen gestellt. Die Art und Weise, wie etwas dargestellt wird, ist auch eine Aussage. Die äußere Form beeinflusst die inhaltliche Aussage nicht unwesentlich. Dabei entsteht die Aussage eines Videos aus dem Gesamteindruck von Bildern, Bildschnitt und/oder der Musik, die die Bilder untermalt. Die Schnitte und die musikalische Untermalung des von mir kritisierten Videos knüpfen an einen aus Computerspielen bekannten Stil an – und dabei handelt es sich um Computerspiele, die Spaß machen sollen und deren wesentlicher Inhalte schnelle Action und die Ausübung von Gewalt sind (die Actionspiele selbst kritisiere ich übrigens nicht). Durch die audiovisuelle Anknüpfung wird eine inhaltliche Verbindung zwischen dem Dienst bei der Bundeswehr und diesen Computerspielen hergestellt. Und das kritisiere ich. Im Computerspiel ist Gefahr virtuell und Gewalt ein Selbstzweck. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr aber kämpfen sehr real und nicht zum Spaß. Das Risiko, töten zu müssen, selbst getötet oder verwundet zu werden, ist Teil der Einsatzrealität. Dabei ist die Ausübung militärischer Gewalt nur in sehr begrenzten Fällen legitim und erfolgt immer zweckgebunden. Die Ausübung militärischer Gewalt ist mit einem großen Maß an Verantwortung verbunden. Bei Truppenbesuchen in Deutschland und in Afghanistan habe ich viele Soldatinnen und Soldaten gesprochen, die sich der ganzen Bandbreite dieser Verantwortung bewusst sind – auch der Risiken, die damit verbunden sind.
Im Übrigen sind mir im Verlauf der Debatte auch einige Aussagen untergeschoben worden, die ich weder an dieser noch an irgendeiner anderen Stelle gemacht habe. Ich habe nicht die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr kritisiert und auch nicht gefordert, die Bundeswehr abzuschaffen. Ich habe nie beim Afghanistaneinsatz vom „Entwicklungshelfer in Uniform“ und „Brunnenbohren“ gesprochen, sondern habe immer wieder gefordert, dass wir ehrlich darüber – auch über die Einsatzrealität – sprechen müssen.
Selbstverständlich muss die Bundeswehr die Kommunikationswege nutzen, über die sich die Menschen in unserer Gesellschaft informieren. Ich habe dafür an verschiedenen Stellen eine ehrliche und transparente Darstellung gefordert. Ich halte auch YouTube für einen prinzipiell geeigneten Kanal, aber die Machart des von mir kritisierten Videos – vom Sprecher des Verteidigungsministerium als „typischer Youtube-Stil“ bezeichnet – erfüllt dieses Kriterium nicht.

